Obwohl das Berichtsjahr weder grosse organisatorische Umbrüche noch sozialpolitische Umorientierung mit sich brachte, wurden wir von drei Problemen des Alltagslebens der Beratungsstelle auf eine harte Probe gestellt:
Es ist deshalb sicherlich verständlich, dass wir sehr zufrieden sind, im Rückblick auf das Jahr eine positive Bilanz unserer Tätigkeit vorlegen zu können.
Die Beratungsdienstleistungen wurden rege genutzt. Die Klientenzahl nahm um 18% auf rund 1'550 zu. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung war nicht zuletzt die gesetzliche Verankerung des Anspruches auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades (bisher nur mittleren oder schweren Grades) für Personen im AHV-Alter. Mit dieser Neuerung können nun auch stark sehbehinderte Menschen diese Leistungen der AHV beanspruchen. 340 Klienten reichten mit Hilfe unserer Stelle ein entsprechendes Gesuch ein.
Insgesamt wurden 16'700 Beratungsstunden geleistet, d.h. 800 mehr als im Vorjahr. Dass es uns gelungen ist, diesem gestiegenen Beratungsbedarf trotz prekärer Personalsituation gerecht zu werden, verdanken wir vor allem der Bereitschaft unserer Mitarbeitenden, das ganze Jahr hindurch Mehrarbeit zu leisten. Allerdings mussten auch die Beratungsprozesse gestrafft und oft auf ein absolutes Minimum gekürzt werden.
In der Sozialberatung betrafen rund 40% der geleisteten Stunden Fragen in Zusammenhang mit Sozialversicherungen. Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Gesetzgebung wie auch der restriktiveren Haltung der IV werden diese Beratungen zunehmend aufwändig und verlangen Spezialwissen. Mit klaren Vorgaben betreffend Massnahmen zur Schulung unserer Fachpersonen und einer klaren Arbeitsteilung zwischen der Beratungsstelle und der Rechtsberatungsstelle von „Integration Handicap“ wurde auch hier die Qualität gesichert.
Eine weitere Aufgabe der Beratungsstelle ist es, die technische Entwicklung auf der Ebene der Hilfsmittel zu beobachten und diese gemeinsam mit Interessengemeinschaften zu beurteilen, so dass Klienten entsprechend beraten werden können. Wichtige und verfolgenswerte Neuerungen waren im 2011 Navigationssysteme und beispielsweise das neue iPhone mit dem integrierten Sprachassistenten Siri.
In der Interessenvertretung wurden Projekte priorisiert, die eine sehbehindertengerechte Zugänglichkeit im öffentlichen Verkehr und in öffentlichen Bauten anvisieren; in der Öffentlichkeitsarbeit standen die Sensibilisierung von Fachpersonen und anderen Interessierten bezüglich Auswirkungen einer Sehbehinderung und der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um Beeinträchtigungen im Alltag zu verringern, im Vordergrund.
In Bezug auf die Finanzen freut es uns besonders, dass die vereinbarten Leistungsziele erreicht werden konnten, was die Sicherung der IV/AHV-Subventionen und des Kantonsbeitrages in der erwarteten Höhe ermöglicht hat. Die Grosszügigkeit verschiedener Stiftungen (Fritz und Julia Jörg-Stiftung, Fondation André Fluckiger, Fontes-Stiftung), unserer Klienten und Partnern (Augenoptiker, Augenärzte und Sektion Bern SBV) sowie des Lions Clubs Bern-Bantiger erlaubte es uns, den namhaften finanziellen Beitrag unserer Trägerorganisationen (CHF 525'000) im budgetierten Rahmen zu halten.
Auf der Ebene der Organisation konnte die seit vielen Jahren fällige und aus finanziellen und Kapazitäts-Gründen immer wieder zurückgestellte Überprüfung der Leitungsstruktur und der Leitungsaufgaben nun mit externer Hilfe an die Hand genommen werden.
Einerseits hat die Analyse gezeigt, dass sich die bestehende Struktur gut bewährt hat, jedoch ohne weiteres kleine Anpassungen zulassen würde, sollten sich diese aufdrängen (z.B. Abkoppelung der Bereichsleitung Sozialarbeit von der Stellenleitung). Andererseits wurde aber auch sichtbar, dass der Leitungsequipe personelle Ressourcen fehlen, um den im Verlauf der Jahre immer anspruchsvoller gewordenen Anforderungen gerecht zu werden. Erfreulicherweise haben die Trägerorganisationen die vorgeschlagenen Massnahmen zur Stärkung der personellen Ressourcen gutgeheissen und beschlossen, den Stellenetat um 0.8 Stellen von 13.8 Stellen auf 14.6 Stellen zu erhöhen.
Unser grosser Dank geht an die Subventionsgeber (IV/AHV, Kanton Bern) und die zahlreichen Gönner, die durch ihre finanziellen Beiträge unsere Aktivitäten erst möglich machen.
Ganz speziell gedankt sei auch den Mitarbeitenden für ihren unter ausserordentlichen Bedingungen geleisteten grossen Einsatz im Dienste sehbehinderter Menschen und deren Angehörigen, den vielen freiwilligen Helfern, die sehr geschätzte Hilfestellungen bei zahlreichen Klienten leisteten, sowie den Mitgliedern des Betriebsausschusses, die anlässlich verschiedener Sitzungen die vielen Geschäfte behandelten.
Im Sommer 2012 wird die Beratungs- und Rehabilitationsstelle ihr 25. Jubiläum feiern dürfen. Es ist dem innovativen Geist der Trägerorganisationen – Verein Blinden- und Behindertenzentrum Bern, BBB, und Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband, SBV – zu verdanken, dass vor 25 Jahren neue Wege der Zusammenarbeit im Sehbehindertenwesen beschritten wurden.
Es ist der grosse Verdienst dieser beiden Organisationen, die Beratungs- und Rehabilitationsdienstleistungen während dieser langen Zeit als strategischen Fixstern für die Navigation unserer Beratungsstelle zu sehen und dafür auch Jahr für Jahr die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.
Die bemerkenswerte qualitative und quantitative Entwicklung der Dienstleistungen der BRSB, die sowohl bei Betroffenen als auch bei den verschiedenen Anspruchsgruppen grossen Anklang finden, beweisen die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges.
Für das der BRSB entgegengebrachte Vertrauen wie auch für die ideelle und finanzielle Hilfe sei den Trägerorganisationen an dieser Stelle herzlich gedankt. 25 Jahre fruchtbare Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen ermöglichen einen offenen und zuversichtlichen Blick in eine sozialpolitisch nicht so sichere Zukunft.
Patricia Pedrina, Leiterin