Im Herbst 2007 feierte die BRSB ihr 20jähriges Jubiläum und blickt stolz auf ihre erfolgreiche Geschichte zurück.
Dank dem innovativen Geist der Trägerorganisationen und ihrer Fachleute kam es 1987 – durch die Schaffung der gemeinsamen Stelle – zu einer engeren Koordination des Beratungsangebots für sehbehinderte und blinde Menschen im Kanton Bern – eine Schweizer Premiere!
Damit versprach man sich
Die BRSB hat die Erwartungen erfüllt und kann auf allen Ebenen Erfolge ausweisen!
Das Dienstleistungsangebot wurde in allen Bereichen der Rehabilitation fortlaufend erweitert, ganz speziell im Low Vision (LV)-Bereich. Dank der Schaffung von zusätzlichen Stellen konnte der steigenden Nachfrage Rechnung getragen werden. Wurden damals in der Rehabilitation gesamthaft 300 KlientInnen beraten, sind es heute 970. Vor allem die LV-Beratung – damals als Novum die am wenigsten gefragte Dienstleistung – verzeichnete eine spektakuläre Entwicklung (von 90 zu 850 KlientInnen pro Jahr). Dies lässt sich auf die Bekanntmachung einer Beratungsdienstleistung, die damals noch in den Kinderschuhen stand, zurückführen. LV-Massnahmen werden vor allem von ältern Menschen, die mit der altersbedingten Degeneration der Netzhaut, welche zu einem Teilverlust der Sehfähigkeit führt, konfrontiert werden, in Anspruch genommen. Die steigende Zahl der älteren KlientInnen, die eine LV-Beratung in Anspruch nehmen, bestätigt diese Entwicklung (82 % der LV-Bezüger sind im AHV-Alter). Mehr zu dieser Entwicklung finden Sie auf Seite 6.
In der Sozialberatung blieben sich die Themenkreise gleich. Heute wie gestern bieten wir Hilfe bei Sozialversicherungsfragen sowie beruflicher und sozialer Integration und begleiten KlientInnen im schmerzhaften Prozess der Auseinandersetzung mit den durch die Behinderung verursachten Verlusten. Die Schwerpunkte in der täglichen Arbeit haben sich jedoch im Verlauf der Jahre aufgrund sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungen stark geändert. Unsere Dienstleistungen mussten den neuen Anforderungen – im Speziellen die Beratung in Sozialversicherungsfragen und bei beruflichen Problemen (Arbeitsplatzverlust, Umschulung, erste berufliche Ausbildung) – stark angepasst werden.
Aufgrund der markanten Zunahme der KlientInnen mussten – infolge mangelnder finanzieller Ressourcen – neue Lösungen für die Beratung älterer sehbehinderter Menschen gesucht werden. So werden heute beispielsweise KlientInnen früher an die Beratungsstellen der Pro Senectute weiter verwiesen, mit denen eine sehr gute Zusammenarbeit besteht. Diese Entwicklung führte dazu, dass unsere Sozialarbeiterinnen fast ausschliesslich KlientInnen im IV-Alter beraten.
Sehr gut bewährt hat sich die neue Form der Zusammenarbeit zwischen Rehabilitation und Sozialberatung. KlientInnen erhalten an ein und demselben Ort die verschiedensten Formen der Hilfe, und der Informationsfluss zwischen den Spezialisten wird dadurch erleichtert.
Der Zugang zu unseren Dienstleistungen wurde durch die Schaffung einer Beratungsstelle in der Region Biel und der damit verbundenen örtlichen Verlagerung des Beratungsangebotes für unsere zweisprachigen KlientInnen im Kanton Bern leichter. Aus Kostengründen musste auf die Schaffung regionaler Dienste in weiteren Regionen verzichtet werden. Allerdings sind wir unseren KlientInnen mit unserem LV-Angebot in Augenarztpraxen im Oberland und im Oberaargau einen Schritt näher gekommen.
Mit den Hilfsmittelausstellungen in Bern und Biel wurde den Betroffenen und deren Angehörigen der Zugang zu spezifischen Hilfsmitteln erleichtert. Die hohe Zahl der BesucherInnen, die sich in den 20 vergangenen Jahren fast verdreifacht hat, zeigt, dass auch dieses Angebot einem reellen Bedürfnis entspricht.
Auch der Bereich der Interessenvertretung beanspruchte immer mehr Aufmerksamkeit. Ein wichtiges Anliegen behinderter Menschen ist die Bewahrung ihrer Mobilität im Alltag. Gemeinsam mit den Selbsthilfeorganisationen und mit den Behindertenkonferenzen konnten spürbare Verbesserungen zur Förderung der Mobilität sehbehinderter Personen im öffentlichen Verkehr und bei der Gestaltung des öffentlichen Raums erzielt werden.
Die enge Kooperation hatte auch für das Fachpersonal grosse Vorteile. Der rege Austausch, die gegenseitige Unterstützung und das Bestehen von breiteren fachlichen Ressourcen vor Ort schufen gute Bedingungen für die Erbringung qualitativ hochstehender Leistungen. Die Zufriedenheit in der Arbeit drückt sich auch in der grossen Stabilität der Fachteams aus, was wiederum für die ganze Stelle und ihre KlientInnen einen grossen Gewinn bedeutet. Damit wird nicht nur Kontinuität in den Beratungen gewährleistet, sondern auch wertvolles Wissen geäufnet.
Das Ziel eines effizienten Einsatzes der Ressourcen konnte mit der Schaffung neuer Synergien in den hoch spezialisierten Fachbereichen erreicht werden. Die gewonnene Flexibilität erlaubt es uns, noch gezielter auf die Bedürfnisse unserer KlientInnen einzugehen. Deutliche Vorteile brachte die Zentralisierung der Dienstleistungen auch für die Kontakte zu Augenärzten, Augenoptikern und IV-Stellen, die für das Gelingen unserer Beratung unverzichtbar sind.
Auch aus finanzieller Sicht kann die Schaffung des gemeinsamen Werkes „BRSB“ durchaus als positiv beurteilt werden. Dank schlankeren Organisationsstrukturen liessen sich in der Administration und im Personalbereich sogar Kosten einsparen. Zudem waren die Trägerorganisationen gemeinsam in der Lage, die im Verlauf der Zeit zusätzlich nötig gewordenen finanziellen Mittel sicher zu stellen. Belief sich vor 20 Jahren der jährliche Beitrag der Organisationen an die Deckung des Betriebsdefizits auf Fr. 250'000.--, so kletterte er heute auf die beachtliche Summe von einer halben Million Franken. Diese Kooperation wurde auch von der Öffentlichkeit positiv bewertet, im Speziellen von den Kreisen, die uns finanziell unterstützen. Ein Umstand, der aufgrund der benötigten Mittel nicht ganz unbedeutend ist!
Ein Wermutstropfen in der Geschichte der BRSB bleibt, dass sich – nach 16 Jahren der Zusammenarbeit – der Schweizerische Blindenbund, der ein eigenes Angebot in der Sozialberatung im Kanton Bern bietet, nicht für eine Zusammenlegung der Aktivitäten gewinnen liess und 2004 das Bündnis verliess.
Allen voran die Mitarbeitenden mit ihrem engagierten und kompetenten Einsatz bei unseren KlientInnen sowie mit ihrem verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Organisation. Herzlichen Dank!
Unser Dank gilt auch unseren Trägerorganisationen – dem Verein Sehhilfe Bern und dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband –, ihren Vorständen, ihren Vertretern im Betriebsausschuss und ganz speziell den BRSB-Gründungsmitgliedern! Wir hoffen, dass sie auch in Zukunft die Sicherstellung ambulanter Beratungsdienstleistungen für sehbehinderte Menschen als eine ihrer zentralen Aufgaben betrachten und die BRSB weiterhin unterstützen werden.
Einen Dank verdienen selbstverständlich auch Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung. Ohne die von IV und AHV gesprochenen Subventionen wäre nämlich das Projekt BRSB nie zustande gekommen. Auch der 1994 erstmals gewährte Kantonsbeitrag hat geholfen, den Umfang des Angebots zu sichern.
Wir hoffen, dass die zur Diskussion stehende Sanierung der Sozialwerke (IV und AHV) und der kantonalen Finanzen nicht dazu führt, die für die soziale Eingliederung sehbehinderter Menschen zur Verfügung stehenden Mittel einzuschränken und somit bewährte Dienstleistungen, die in Europa ihresgleichen suchen, zu gefährden. Sollte der Forschung kein Durchbruch in Sachen Behandlung der Altersbedingten Makuladegeneration gelingen, werden in einigen Jahren, wenn die Generation des Babybooms ins Rentenalter kommt, sogar mehr Mittel nötig sein, um das heutige Angebot zu garantieren.
Danken möchten wir auch all denjenigen Privatpersonen, Organisationen, Stiftungen und Service Organisationen – allen voran dem Lions-Club Bern-Bantiger, der uns seit der Gründung treu geblieben ist –, die uns mit kleinen und grossen Spenden geholfen haben.
Schliesslich erlaube ich mir ein persönliches Wort an unsere KlientInnen, Mitarbeitenden, Vertreter der Trägerorganisationen und Partner:
Diese 20 Jahre in der Leitung der BRSB waren für mich persönlich intensive, anregende, lehrreiche und bereichernde Jahre. Besonders beeindruckt haben mich die vielen Begegnungen mit Menschen, die auch in schwierigen Situationen nicht aufgeben und mit jenen, die aktiv Solidarität mit ihnen üben.
Patricia Pedrina, Leiterin