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Jahresbericht 2006

Gefragte Dienstleistungen, aber immer noch zu wenig bekannt

Der Umzug der Stelle an den neuen Standort hat uns intensiver und länger beschäftigt, als wir ursprünglich gedacht haben. Mittlerweile haben wir uns aber alle gut eingelebt, unsere Klienten und die Mitarbeitenden fühlen sich an der Zähringerstrasse wohl.

Ab April galten unsere ganze Aufmerksamkeit und unser Engagement wieder unserer Hauptaufgabe, der Beratungstätigkeit. Trotz spezieller Umstände - lange krankheitsbedingte Ausfälle einiger Mitarbeitenden der Fachbereiche Rehabilitation und Sozialberatung – konnte diese Arbeit in gewohnt intensiver Art durchgeführt werden. Dank der Flexibilität der Fachpersonen, die bereit waren, über längere Zeit Stellvertretung zu leisten, konnten unsere Klienten immer innerhalb vertretbarer Zeit beraten werden. Allen Mitarbeitenden der Stelle sei an dieser Stelle ganz herzlich für ihre wertvolle und engagierte Arbeit gedankt!

Die Anzahl der Beratungen ist 2006 stabil geblieben. Rund 70 % der Personen, die unsere Dienste in Anspruch nahmen, waren im AHV-Alter. Nur eine kleine Minderheit davon lebt in einer Alterseinrichtung. Wir wissen aber aus verschiedenen Untersuchungen, dass zahlreiche Menschen, die in einer solchen Institution leben, an einer Sehbehinderung leiden. Daraus lässt sich schliessen, dass viele von ihnen unsere Dienstleistungen nicht kennen bzw. aus verschiedenen Gründen nicht in Anspruch nehmen.

Auch wenn unsere Kernkompetenz darin besteht, sehbehinderte und blinde Menschen in der ambulanten Beratung und Rehabilitation zu unterstützen, ihr Leben zuhause möglichst selbständig zu führen, ist es uns ein Anliegen, auch sehbehinderten Bewohnern von Alterseinrichtungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dementsprechend haben wir unser Leistungsangebot für diese Zielgruppe neu definiert und werden es durch gezielte Aktionen bekannt machen (mehr dazu finden Sie auf Seite 8 dieses Berichtes).

Was die Beratung von Personen im IV-Alter anbelangt, stimmen uns die Ergebnisse einer Studie im Rahmen eines Nationalfonds-Projektes nachdenklich, wonach betroffene IV-Bezüger – vor allem ganz junge und ältere Personen – bestehende Angebote wie rechtliche Unterstützung, Unterstützung durch soziale Dienste und Behindertenorganisationen eher wenig in Anspruch nehmen.

Zugegeben, wir kennen die entsprechenden Zahlen für den Kanton Bern nicht. Unsere Praxis bestätigt jedoch, dass immer noch viele Menschen mit einer Sehbehinderung im Erwerbsalter unsere Stelle erst nach vielen Umwegen finden. Offensichtlich erfolgt die Information an die Betroffenen noch nicht optimal, oder die Hemmschwelle, Hilfe bei der Beratungsstelle zu suchen, ist nach wie vor zu gross.

Wir hoffen, mit unserer neuen Webseite www.brsb.ch einen Beitrag zur Information der Betroffenen, ihren Angehörigen und unseren wichtigsten Partnern - den Augenärzten und Augenoptikern - leisten zu können.

Kooperation hat sich bewährt

Synergien zu schaffen in der ambulanten Beratung bleibt ein grosses Anliegen unserer Trägerorganisationen. Dementsprechend haben sie beschlossen, die BRSB auch in den kommenden drei Jahren weiter gemeinsam zu führen – eine Zusammenarbeit, die sich in den letzten 20 Jahren bewährt hat.

Das Präsidium des Betriebsausschusses wird in den nächsten drei Jahren neu von einem Vertreter des SBV übernommen. Herr Jürg Romer wird Herrn Martin Buser, Vertreter Verein Sehhilfe Bern, ablösen. An dieser Stelle möchten wir Herrn Buser und allen Betriebsausschussmitgliedern für das grosse Engagement und die tatkräftige Unterstützung ganz herzlich danken.

Es wird finanziell enger!

Die mit dem BSV geführten und rechtzeitig per Ende Jahr abgeschlossenen Verhandlungen für den Leistungsvertrag 2007 – 2009 führten leider nicht zum gewünschten Ziel, zusätzliche finanzielle Mittel für die Finanzierung der in den letzten Jahren erbrachten Mehrleistungen zu erhalten. Es wird lediglich ein Zuschlag für Teuerung und Reallohnanpassungen gewährt. Neu gilt ab 2007 als Basis für die Festlegung des Subventionsbeitrages die Anzahl der erbrachten Dienstleistungsstunden und nicht mehr die Anzahl der beratenen Klienten.

Mit dem Kanton Bern konnte dafür erfreulicherweise für das kommende Jahr ein Leistungsvertrag zu den gleichen Konditionen wie in den Vorjahren abgeschlossen werden.

Mit diesen Leistungsverträgen werden wichtige finanzielle Mittel sicher gestellt. Trotzdem bleiben die Trägerorganisationen stark beansprucht und müssen weiterhin jährlich den ansehnlichen Beitrag von einer halben Million an das Defizit der Beratungsstelle leisten. Allerdings genügt auch dieser grosse Aufwand nicht, um die gesamten Kosten zu decken.

Entsprechend dem verabschiedeten Finanzierungskonzept hat die Trägerschaft erste Massnahmen für 2007 ergriffen, um die finanzielle Situation der BRSB zu entschärfen. So wurden in den Bereichen Personal und Sachaufwand Einsparungen geplant. Weiter haben die Trägerorganisationen nach langen und reiflichen Überlegungen beschlossen, ab Januar 2007 eine jährliche Beratungsgebühr von Fr. 100.--  (Jahrespauschale) bei unseren Klienten zu erheben. Davon ausgenommen sind Klienten mit Ergänzungsleistungen und Menschen in finanziellen Engpässen. Wir sind uns bewusst, dass dies eine grosse Veränderung bedeutet; sie ist aber eine der Massnahmen, um das bisherige Leistungsangebot aufrecht erhalten zu können.

Trotz allen getroffenen Massnahmen werden jährlich noch rund Fr. 130'000.-- fehlen. Wir werden versuchen, Stiftungen, Organisationen und Privatpersonen zu finden, die uns helfen, dieses Loch zu stopfen. Aber auch unsere wichtigsten Partner, die Augenoptiker und Augenärzte, werden wir um Unterstützung bitten. Bereits im Berichtsjahr erhielten wir die Möglichkeit, der Optikervereinigung des Kantons Bern unsere Anliegen zu unterbreiten. Zu unserer grossen Freude wurde beschlossen, unserem Hilferuf in Form eines jährlichen Beitrags durch die Mitglieder Folge zu leisten.

Unterstützung erhielten wir zudem von der Fritz und Julia Jörg-Stiftung, die uns ein Darlehen in der Höhe von Fr. 50'000.-- gewährte. Ein Fünftel davon konnte per Ende Jahr der laufenden Rechnung als Spende gutgeschrieben werden. Aber auch viele Klientinnen und Klienten sowie zahlreiche Privatpersonen haben uns Spenden in der Höhe von rund Fr. 47'000.-- zu kommen lassen.

Herzlichen Dank an alle, die uns ideell und finanziell unterstützt haben!

Patricia Pedrina, Leiterin